Methode zur Ermittlung von Indikatorarten für Biodiversität

Analyse mittels geografischem Informationssystem und ergänzende Literaturrecherche

Datengrundlage für die räumliche Analyse von potentiellen Indikatorarten in rheinland-pfälzischen Weinbergstrukturen waren Arten-Kartierungsdaten des ArtenFinder Service-Portal Rheinland-Pfalz und des Landesamtes für Umwelt(LfU) Rheinland-Pfalz (RLP). Das ArtenFinder Service-Portal RLP ist eine Internetplattform des Landes RLP und der KoNat UG (Koordinierungsstelle für Ehrenamtsdaten der kooperierenden Naturschutzverbände BUND, NABU und POLLICHIA). Auf dieser Internetplattform können Tier- und Pflanzenbeobachtungen von Bürgerinnen und Bürgern gemeldet werden. Jede Meldung wird mit dem Einverständnis des Melders und nach einer fachlichen Plausibilitätsprüfung durch einen externen Gutachter in einen amtlichen Datensatz überführt. Dieser Datensatz wird auf dem Artenfinder Service-Portal veröffentlicht und zum Herunterladen bereitgestellt. Im vorliegenden Projekt wurden alle Daten seit dem 01.01.2010 bis zum 31.10.2015 verwendet. Der gleiche Beobachtungszeitraum wurde auch auf die amtlichen Artendaten des LfU RLP angewendet. Beide Datensätze wurden zunächst in ein einheitliches Tabellenformat überführt und daraufhin zusammengeführt. Die räumlichen Analysen wurden mit dem Geografischen Informationssystem ArcMap 10.3.1 (Esri) ausgeführt. Statistische Auswertungen erfolgten wiederum mit Excel (MS Office 2013).

Die punktgenauen Artendaten wurden mit ALKIS-Flächennutzungsdaten des Landesamtes für Vermessung und Geobasisdaten Rheinland-Pfalz (Aktualität 09.2013) verschnitten, um jedem Artenfund die entsprechende tatsächliche Nutzung der überschneidenden Fläche zuzuweisen. Artenfunden welche auf Wegen kartiert waren, wurde die tatsächliche Nutzung der nächstgelegenen Fläche zugewiesen. Zusätzlich wurden die Kartierungsdaten um artspezifische Informationen zum jeweiligen Schutzstatus ergänzt (u.a. Rote Liste RLP, FFH-Richtlinie), um besonders schutzwürdige Indikatorarten zu identifizieren. Hierfür vom LfU RLP eine Tabelle bereitgestellt.

Insgesamt wurden 94,7 % der rheinland-pfälzischen Landesfläche, unterteilt in 27 Flächen-Nutzungstypen, in die Analyse einbezogen. Die übrigen 5,3 % wurden auf Grund der Vielfalt an verschiedenartigen und spezialisierten Nutzungsformen vernachlässigt.

Auf Basis der verschnittenen Daten wurden die absoluten Summen der Kartierungen jeder Art pro Flächennutzungstyp ins Verhältnis zur absoluten Summe der Kartierungen der jeweiligen Art in ganz RLP gesetzt. Zusätzlich wurden die Flächensummen der unterschiedlichen Flächennutzungstypen ins Verhältnis zur rheinland-pfälzischen Gesamtfläche gesetzt.

Da der weinbaulich genutzte Flächenanteil von RLP etwa 3,4 Prozent entspricht, mussten also mehr als 3,4 % aller Kartierungen einer Art auf weinbaulichen Flächen kartiert worden sein, um die entsprechende Art als potentiell weinbergstypisch und damit auch als potenzielle Indikatorart zu qualifizieren. Zusätzliches Kriterium war eine Kartierungssumme von größer Zwei auf Weinbergsflächen. Alle Arten mit geringerem Fundanteil in Weinbergen wurden somit vorerst als mögliche Indikatorarten ausgeschlossen.

Auswahl der Indikatorarten

Die so ermittelten potentiellen Indikatorarten weinbaulich genutzter Flächen wurden im Folgenden mittels ausführlicher Literaturrecherche auf Plausibilität geprüft.

Um praktikabel nutzbare Indikatorarten zu bestimmen, wurden folgende Bedingungen festgelegt: Eine Indikatorart sollte möglichst ohne spezifische Artenkenntnisse zu bestimmen sein. Sie sollte möglichst stenök sein, d.h. von abiotischen Faktoren (Neigung, Exposition, Temperatur, Bodenfeuchte, Bewirtschaftungsform, Strukturelementen in der Landschaft etc.) abhängig sein. Tiere sind meist sehr mobil und können den Standort wechseln, was eine Bestimmung oftmals erschwert. Daher wurden Pflanzen als Indikatorarten festgelegt und näher untersucht. Im Laufe der Literaturrecherche wurden iterativ auch solche Arten näher auf Ihre Eignung als Indikatorart überprüft, welche insgesamt nur ein oder zweimal auf Weinbergen in RLP, oder auch gar nicht kartiert wurden. Dieses Vorgehen resultierte zum einen aus dem Abgleich mit High Nature Value (HNV) Rebland-Kennarten. Zum anderen wurden weinbergstypische Zwiebel- oder Knollengeophyten, die auf eine traditionelle Weinbergsbewirtschaftung hinweisen, sowie Nahrungspflanzen bedrohter weinbergstypischer Tiere (z.B. des Apollofalters) und Charakterarten seltener weinbergstypischer Pflanzengesellschaften (Rote Liste der Pflanzengesellschaften) ebenfalls auf Eignung als Indikatorarten untersucht und festgelegt.

Insgesamt konnten dadurch 18 Pflanzenarten bzw. -gattungen als Indikatoren für Biodiversität identifiziert werden. Ergänzend wurden weinbergstypische, geschützte Tierarten, sozusagen als „Bonusarten“ ausgewählt.

Die praktische Anwendbarkeit der ausgewählten Indikatorarten wird derzeit im Rahmen von Weinbergskartierungen geprüft.

Die Erstellung der Artensteckbriefe

Im Anschluss daran erfolgte die Erarbeitung der Artenstreckbriefe. Neben dem deutschen und wissenschaftlichen Artennamen werden eindeutige Bestimmungsmerkmale der Indikatorarten angegeben. Angaben zum Standort werden bei den Pflanzen durch Angaben zu Basen- und Feuchtemerkmalen sowie durch Angaben klimatischer Vorlieben ergänzt. Durch die Kennzeichnung des Gefährdungs- und Schutzstatus der Arten soll der „Mehrwert“ der Pflanze / des Tieres in der Praxis für die Biodiversität verdeutlicht werden.

Für die Erstellung der Artensteckbriefe wurde auf Bestimmungsbücher, Fachliteratur sowie Gesetzestexte und Rote Listen zurückgegriffen.

Für die Steckbriefe verwendete Literatur.

Bei den Pflanzen wurde mit Aichele, 2004; Aichele & Schwegler, 2004; Junghans, 2002; Licht, 2013; Oberdorfer, 2001; Rothmaler & Jäger, 2011; Willmanns, 1989; Wilmanns, 1996 gearbeitet. Die zusätzlichen Angaben zu Schmetterlingspflanzen entstammen dem FloraWeb vom BfN, 2016.

Informationen zur Fauna wurden Bährmann, Köhler & Müller, 2015; Bellmann, 1993; Bellmann, 2002; Chinery, 2012; Ebert, 1991; Laufer, Fritz, Sowig & Bauer, 2007 und Svensson, 2011 entnommen.

Gefährdungs- und Schutzkategorien wurden aus den bundesweiten und rheinland-pfälzischen Roten Listen, der FFH- und Vogelschutz-Richtlinie sowie dem Bundesnaturschutzgesetz übertragen.